{"id":1344,"date":"2012-11-15T14:59:35","date_gmt":"2012-11-15T13:59:35","guid":{"rendered":"http:\/\/totmacher.de\/blog\/?p=1344"},"modified":"2012-11-15T14:59:35","modified_gmt":"2012-11-15T13:59:35","slug":"meine-lehrerin-sagt-ich-soll-so-schreiben-wie-ich-es-hore","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schneider-werke.de\/?p=1344","title":{"rendered":"&#8222;Meine Lehrerin sagt, ich soll so schreiben, wie ich es h\u00f6re&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Oh Graus dachte ich noch vor der Einschulung, das kann ja lustig werden.<\/p>\n<p>Ich selbst habe sp\u00e4testens ab der f\u00fcnften Klasse unter den Folgen einer Lese-Rechtschreibschw\u00e4che gelitten. Meine Diktate in der Grundschule waren noch ganz ok. Ich war immer ver\u00e4rgert, dass ich, wenn es keine &#8222;ge\u00fcbten&#8220; Diktate waren, viel schlechter abschnitt, als eine meiner zwei besten Freundinnen. Ich wusste auch nicht gewusst, wie ich mich verbessern konnte und das war frustrierend. Ich habe auch damals schon gelesen. Ich war sicherlich keine Leseratte, aber ich habe B\u00fccher auch nicht v\u00f6llig verschm\u00e4ht. W\u00e4hrend es in der Grundschule noch dreien und vieren in Diktaten gab, gab es ab der f\u00fcnften Klasse dann 5en und 6en in Deutsch und sp\u00e4ter dann in Englisch bei vereinzelten puren Diktat-Klassenarbeiten. Bei meinem vier Jahre j\u00fcngeren Bruder war die Schw\u00e4che so heftig ausgepr\u00e4gt, dass sie zum Ende der ersten Klasse massiv auffiel und er freiwillig die erste Klasse wiederholte. Er hat dann auch gezielt, von meiner Mutter privat finanziert, Hilfe von einer auf Legasthenie spezialisierten Logop\u00e4din bekommen. Viele Jahre lang. Ich habe die ganze Unter- und Mittelstufe mit dieser Schw\u00e4che zu k\u00e4mpfen gehabt, vor allem auch weil meine Lehrer sie nicht akzeptiert hatten. Nach dem Motto: &#8222;Legasthenie gibt es nicht, es gibt nur faule Kinder!&#8220;. Ganz toll. Ich habe zwar gelesen, aber nicht stundenlang am Tag. Zwar durften meine Lehrer, nachdem ich daf\u00fcr ein psychologisches Attest hatte, meine Klassenarbeiten f\u00fcr ein oder zwei Jahre nicht so bewerten, wie die meiner Klassenkameraden, aber das stank einigen meiner Lehrer gewaltig und ich hatte \u00fcbel mit dem Druck zu k\u00e4mpfen, den vor allem mein Englisch- und mein Franz\u00f6sisch &#8211; Lehrer aufbauten. Da wurde ich dann einfach st\u00e4ndig zu Vokabeltests und Hausaufgabenkontrollen aufgerufen und bekam schon aus Prinzip m\u00fcndlich eine f\u00fcnf. Selbst als ich gezielt in Franz\u00f6sisch versuchte mich so oft wie es nur irgend geht zu melden und dar\u00fcber eine Checkliste f\u00fchrte, gab es wieder eine f\u00fcnf am Ende des Halbjahres und die ganze Klasse stand hinter mir, als ich mich versuchte dagegen zu wehren. Da gab es damals einige, wie (nicht nur) ich finde, ungerechtfertigte blaue Briefe. Aber das ist alles lange her und Schnee von gestern. Immerhin, ich musste keine Ehrenrunde drehen und bereits in der Oberstufe hatte ich, dank vielem Lesen die Anzahl meiner Fehler soweit reduzieren k\u00f6nnen, dass sie sich nicht mehr von der anderer Sch\u00fcler ohne Lese-Rechtschreib-Schw\u00e4che unterschied bzw. ich sogar weniger Fehler machte. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>In der zehnten Klasse wusste ich\u00a0 bereits, dass ich mich nach dem Abitur f\u00fcr ein bestimmtes Studium einschreiben m\u00f6chte und f\u00fcr dieses gibt es einen hohen Numerus Clausus. Ich habe mich damals sogar f\u00fcr einen Schulwechsel interessiert und dar\u00fcber informiert, weil ich von einer Schule in unserer Stadt geh\u00f6rt hatte, die eigendlich f\u00fcr Sch\u00fcler von Gesamt- oder Realschulen gedacht ist, damit diese dort ein allgemeines Abitur machen k\u00f6nnen. Aber sie nahmen auch Sch\u00fcler von umliegenden Gymnasien auf und das w\u00e4re meine Chance auf einen schmerzfreien Einserschnitt gewesen. Ich habe mich dann aber doch f\u00fcr die schwerere Variante entschieden und bleib an meiner Schule. Die Oberstufe war meine Rettung. Hier wurden die Karten neu gemischt. Ich hatte pl\u00f6tzlich lauter neue Lehrer, die mich noch nicht kannten und gleich abgeschrieben haben und ratz fatz war ich nicht mehr immer 4 und auf der Kippe in den Sprachen, sondern gut, sehr gut sogar. Trotzdem war es ein Kampf. Ein Kampf gegen diese Schw\u00e4che und gegen die Willk\u00fcr einiger meiner damaligen Lehrer.<\/p>\n<p>Entsprechend bin ich nat\u00fcrlich sensibilisiert.<\/p>\n<p>Heute kann ich schmunzeln \u00fcber die lustigen Worte, die meine Tochter 3 Monate nach ihrer Einschulung schreibt, die Frage ist nur, wie lange?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.schneider-werke.de\/?attachment_id=1346\" rel=\"attachment wp-att-1346\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1346\" title=\"129\" src=\"http:\/\/192.168.178.44\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/1291.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"651\" srcset=\"http:\/\/www.schneider-werke.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/1291.jpg 480w, http:\/\/www.schneider-werke.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/1291-221x300.jpg 221w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><\/p>\n<p>PFERT = Pferd<\/p>\n<p>KASTANJ = Kastanie<\/p>\n<p>N\u00dcSE = N\u00fcsse<\/p>\n<p>WAmPIR = Vampir<\/p>\n<p>GSchB\u00c4NSTA = Gespenster<\/p>\n<p>GRUSILWALT = Gruselwald<\/p>\n<p>M\u00d6PSE = M\u00f6pse (sie meint damit die Hunde&#8230;)<\/p>\n<p>ZWRGE = Zwerg<\/p>\n<p>Meine Tochter lernt nicht klassisch das ABC sondern sie lernt die Buchstaben nach einer Lauttabelle. Da gilt es dann zu entscheiden bzw. zu erfragen ist das nun ein &#8222;Je&#8220; wie Jacke oder ein &#8222;Je&#8220; wie Yoga. &#8222;Ke&#8220; wie Koffer oder wie in Computer. W\u00e4hrend viele Erst- und Zweitkl\u00e4ssler Mamas davon \u00fcberzeugt sind, dass das ein tolles Lernkonzept ist, weil sie Kinder schon bis zu den Herbstferien selbst schreiben k\u00f6nnen (wenn das das so bezeichnen kann^^) und sp\u00e4testens in den Osterferien auch schon lesen k\u00f6nnen, sind die Mamas von Dritt- und Viertkl\u00e4sslern die ich bisher dazu geh\u00f6rt habe im Nachhinein davon eher nicht sehr \u00fcberzeugt. Wohl erst zum Ende der zweiten Klasse bekommen die Kinder in unserer Schule erste Schreibregeln mit. Davor d\u00fcrfen sie kreuz und quer gro\u00df und klein mixen. Das sieht dann so aus: &#8222;WALd&#8220; oder &#8222;NaSE&#8220;. Hauptsache das Wort wird am Anfang gro\u00df geschrieben. Was dann nat\u00fcrlich dazu f\u00fchrt, dass sie auch die Artikel, Verben, Adjektive usw. gro\u00df schreiben aber bereits ab dem zweiten Buchstaben zum Teil kleine Buchstaben benutzen, weil sie diese auch lernen. O_o<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sie d\u00fcrfen und sollen sie so schreiben, wie sie es h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Ab Mitte\/Ende der zweiten Klasse lernen die Kinder die &#8222;Namenw\u00f6rter&#8220;, &#8222;Wie-W\u00f6rter&#8220; und &#8222;Tun-W\u00f6rter&#8220; zu unterscheiden und lernen, dass die &#8222;Namenw\u00f6rter&#8220; einen Begleiter haben. Ich glaube wir haben gleich die korrekten Bezeichnungen gelernt. Schon komisch, einerseits lernen die Kinder ab der ersten Klasse Englisch, aber Begriffe wie Hauptwort, Nomen oder Substantiv will man ihnen wohl nicht zumuten.<\/p>\n<p>Ende der zweiten Klasse also lernen die Kinder zumindest f\u00fcr einfache S\u00e4tze greifende Regeln, nach denen sie sich orientieren k\u00f6nnen. Ab Ende der zweiten Klasse, sp\u00e4testens in der dritten Klasse gibt es dann erste Diktate. Wer vorher eher lesefaul war, hat jetzt wirklich ein Problem. Denn die &#8222;ich darf so schreiben, wie ich es h\u00f6re&#8220; &#8211; Regel gilt dann nat\u00fcrlich nicht mehr. Und das macht wohl vor allem vielen Jungs Probleme. Die M\u00e4dchen lesen wohl tendenziell mehr und kommen mit dieser sp\u00e4ten Umstellung besser zurecht.<\/p>\n<p>Ich f\u00fcrchte ich bin mit 33 Jahren f\u00fcr diese modernen Lernmethoden bereits zu altmodisch. Das Konzept die Buchstaben nach einer Lauttabelle zu lernen, finde ich ganz gut, nicht aber, dass man uns Mamas verbietet falsch geschriebene Worte zu korrigieren. Angeblich w\u00fcrden wir die Kinder damit bremsen, weil sie dann st\u00e4ndig negative Erlebnisse haben. Klar, bei dem Blatt oben w\u00e4ren von 8 Worten 7 korrigiert. Das hat ein gewisses Frustpotential.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem bin ich mit den Konzept \u00fcberfordert. Wie soll ich meinem Kind erkl\u00e4ren, dass der Buchstabe e am Ende eines Wortes wie z.B in Ente. Eher wie eine Mischung aus e und \u00e4 klingt und nicht wie ein klares E wie in Elefant. Oder das wir &#8222;Schtob&#8220; sagen aber es sich Stop schreibt. Gerade in Hessen mit dem Dialekt ist das f\u00fcr die Kinder nicht gerade einfach. Da wird aus einem Eimer ein &#8222;Eima&#8220;. Auch viele -ch\u00b4s werden vernuschelt zu einem sch. Die Kinder schreiben das bis zum Ende der zweiten Klasse also x-mal falsch. Ob sich das nicht falsch einpr\u00e4gt?<\/p>\n<p>Angeblich sollen die Kinder noch nicht im Kindergarten die Buchstaben lerne, auch nicht f\u00fcr ihren eigenen Namen. Da die Eltern bzw. Erzieherinnen h\u00e4ufig nicht wissen, wie die Strichreihenfolge ist. Also z.B. das f\u00fcr das T erst der senkrechte Strich gemacht wird, dann der waagerechte. Ich habe gemerkt, dass ich beim gro\u00dfen T die Striche in der falschen Reihenfolge schreibe. Da hat man Angst, dass sie sich f\u00fcr das Erlernen der Schreibschrift wichtige Reihenfolgen falsch aneignen und dann mit viel Korrektur umgelernt werden m\u00fcssen. Ich f\u00fcrchte das, genau das steht uns f\u00fcr &#8222;WALT&#8220; (Wald) und andere W\u00f6rter bevor.<\/p>\n<p>Abgesehen von diesem Lernkonzept, von dem ich noch nicht \u00fcberzeugt bin, finde ich unsere Grundschule allerdings super. Die Lehrerinnen wirken alle sehr nett und ich habe den Eindruck, dass sie alle gerne (Kinder) unterrichten.<\/p>\n<p>Lediglich die Nachmittagsbetreuung, die durch einen Verein stattfindet und mit Lehrerinnen nichts zu tun hat, scheint schlecht zu sein. Die beiden Frauen, die das machen, haben keine p\u00e4dagogische Ausbildung und machen diesen Mangel nicht gerade dadurch wett, dass sie besonders engagiert w\u00e4ren. So zumindest sagt man. Ich habe schon von einigen Richtungen entsprechende L\u00e4stereien geh\u00f6rt. Ich selbst sehe die beiden Damen eigentlich immer nur auf ihren Smartphones rumklimpern oder miteinander schw\u00e4tzen, wenn die Kinder im Hof spielen und bin froh, dass ich diese Betreuung aktuell nicht brauche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oh Graus dachte ich noch vor der Einschulung, das kann ja lustig werden. Ich selbst habe sp\u00e4testens ab der f\u00fcnften Klasse unter den Folgen einer Lese-Rechtschreibschw\u00e4che gelitten. Meine Diktate in der Grundschule waren noch ganz ok. 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